Drei Jahre Vorbereitung, fünf Tage voller Begegnungen: Schülerinnen und Schüler aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu Gast an der Selma-Rosenfeld-Realschule Eppingen
Das eigene Bett wird zum Gästezimmer, die Couch zum Schlafplatz: Für einige Tage machten Schülerinnen und Schüler der Selma-Rosenfeld-Realschule Platz für ihre Gäste aus Sharjah. Was vor drei Jahren mit Briefen und Videobotschaften begann, wurde Ende September zu einer Woche voller Begegnungen, gemeinsamer Erlebnisse und gelebter Gastfreundschaft.
Rund 4.800 Kilometer liegen zwischen Eppingen und Sharjah, einer Stadt unmittelbar nördlich von Dubai. Eva Grünberger und Verena Schmitt-Eisele hatten den Austausch vor drei Jahren angebahnt – damals waren die heutigen Gastgeber und Gäste noch in der fünften Klasse. Über Briefe und Videobotschaften entstand eine Verbindung, die nun erstmals im persönlichen Kontakt erlebt werden konnte. Schulleiterin Silke Döll von der Selma-Rosenfeld-Realschule und Sven Hertner, Schulleiter der Deutsch Internationalen Schule Sharjah, unterstützten das Projekt von Beginn an.
Gastfreundschaft, die verbindet
Nach der Ankunft wurden die Jugendlichen aus der Deutschen Internationalen Schule Sharjah von ihren Gastfamilien herzlich aufgenommen. Einige deutsche Schülerinnen und Schüler überließen ihren Gästen sogar das eigene Bett und zogen selbst auf die Couch oder eine Matratze. Gemeinsame Frühstücke, der Schulbesuch, Fußballspielen mit den neuen Freunden und Abende in den Familien ließen aus zunächst unbekannten Jugendlichen schnell Familienmitglieder auf Zeit werden. Auch die Eltern beider Länder standen während der Woche in engem Kontakt und tauschten Fotos und Eindrücke aus.
Eppingen und die Region gemeinsam erleben
Das abwechslungsreiche Programm bot zahlreiche Gelegenheiten, Eppingen und die Region aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Bei der Feuerwehr ging es mit der Drehleiter rund 30 Meter über die Stadt. Nach dem Empfang im Rathaus erkundete die Gruppe die historische Altstadt und den Pfeifferturm. Für die Jugendlichen aus Sharjah waren die Eppinger Fachwerkhäuser eine völlig neue Erfahrung.
Auch Heidelberg wurde zum Erlebnis: Im Heidelberger Schloss schlüpften die Schülerinnen und Schüler bei einem fiktiven Mordfall in verschiedene Rollen. Sie sammelten Hinweise, stellten Fragen und ermittelten gemeinsam – Teamarbeit einmal auf ganz andere Art.
Gemeinsam kochen, tüfteln und um Pokale fahren
Neben Kultur und Geschichte standen vor allem gemeinsame Aktivitäten im Mittelpunkt. Im Schulgarten wurden Gemüse und Kräuter geerntet und anschließend in der Schulküche verarbeitet. Käsespätzle und selbst gebackene Apfelmuffins sorgten dabei für kulinarische Begegnungen.
Sport und Technik kamen ebenfalls nicht zu kurz. Beim Go-Kart-Fahren in Eppingen kämpften die Jugendlichen Runde für Runde um die vorderen Plätze und freuten sich über die abschließenden Pokale. In der Heilbronner experimenta bauten sie eigene Solarmobile und erfuhren dabei, wie Sonnenenergie Fahrzeuge antreiben kann. Die kleinen Solarautos durften anschließend als Erinnerung mit nach Hause genommen werden.
Wenn aus Begegnung Freundschaft wird
Bei allen Programmpunkten stand jedoch etwas anderes im Mittelpunkt: das gegenseitige Kennenlernen. Die Jugendlichen mussten Rücksicht nehmen, Fragen stellen, Unterschiede entdecken und gleichzeitig feststellen, wie viel sie trotz unterschiedlicher Lebenswelten gemeinsam haben.
Genau darin liegt die besondere Bedeutung des Austauschs: Aus einem Namen in einer Mail wird ein echter Freund, aus einem fremden Land wird das Zuhause einer Gastfamilie. Die vielen Tausend Kilometer zwischen Eppingen und Sharjah fühlten sich in dieser Woche plötzlich erstaunlich kurz an.
Die Freundschaft geht weiter
Mit der Abreise endete der Austausch nicht. Die Schülerinnen und Schüler stehen weiterhin in Kontakt, und bereits jetzt gibt es eine Einladung zum Gegenbesuch nach Sharjah. Auch einige Eltern wurden eingeladen, die Familien ihres Gastkindes kennenzulernen. Wann die Reise stattfinden kann, soll angesichts der aktuellen Situation in der Region in Ruhe entschieden werden. Die Vorfreude auf ein Wiedersehen ist jedoch schon jetzt groß.
Aus Fremden werden Freunde, aus Unterschieden wird Neugier – und aus Freundschaften wächst ein kleines Stück mehr Verständnis für die Welt.